Kreativer Lückenschluss in Potsdam

„Hier entsteht“ Das ist der Arbeitstitel für das Localize Festival vom 12. bis 14. September 2014. Ort des Schauspiels ist dieses Jahr eine der letzten Häuserlücken in der sonst so aufpolierten Potsdamer Innenstadt.

Die Kunstwerke entstehen. Quelle: Lilith Grull

Potsdam . Wenn man durch die Gutenbergstraße geht, findet man Ecke Jägerstraße eine große Baulücke. Die gibt es schon lange. Zwar ließ Friedrich Wilhelm I. im 18. Jahrhundert hier ein Typenhaus mit Giebelstube bauen, doch wurde eben dieses vor rund 30 Jahren wieder abgerissen. Nun prangt hier seither eine 240 Quadratmeter große Baulücke. Und das tut sie wie gerufen – schon alleine als Reaktion auf die vor kurzem zahlreich geschlossenen  Kultur- und Kunstorte Potsdams und Umgebung, ist die diesjährige bewusst gewählte Location des Festivals 2014 als eine ordentliche Parodie auf das jüngste Geschen wahrzunehmen.

Das Aufbauteam aus Künstler und Helfern am Mittwoch. Quelle: Lilith Grull

Von der Uni auf die Straße

Localize e.V. entstand in Zusammenarbeit mit dem Potsdamer Filmmuseum aus einem Seminar der Universität und Fachhochschule Potsdam. Es wurde schnell von zahlreichen freiwilligen Helfern und Ehrenamtlichen unterstützt. Zunächst findet das Fest parallel zu dem Heimfestival Potsdam statt, doch läuft nach vier Jahren unabhängig. Die Grundidee: leerstehende, nicht wahrgenommene Orte mit künstlerischen Ideen temporär wiederzubeleben. Was könnte hier in diesem Raum geschehen? Wie ist seine derzeitige Beziehung zur Stadt, den Bewohnern und andersherum? Zusätzlich gibt es jedes Jahr passend zu dem Veranstaltungsort und Aktuellem ein Motto.

Dieses Jahr geht das Kultfest in die siebente Runde

Installationen, Kurzfilme, Experimente, Performance, Partizipatives, Szenisches, Workshops, Führungen, kulinarische Verführungen und Musik kann man bei einem Besuch des Localize Festivals erwarten. Nach sechs erfolgreichen Jahren in Schauplätzen wie der ehemaligen Stadt- und Landesbibliothek, dem ehemaligen Theater in der Zimmermannstraße, dem Rumpfstück der Kanalisation Yorkstraße und nicht zu guter Letzt das so beeindruckende Spektakel im ehemaligen Hauptbahnhof. Das Localize Festival 2013 „Zug um Zug“ hat 2500 Besucher in ihren Bann gezogen. Es steht außer Frage, dass das Fest dieses Jahr genauso erfolgreich fesselnd wird – trotz oder gerade wegen der drastisch verringerten Fläche. Mitten in der Innenstadt leere 240 Quadratmeter, die Gutenbergstraße 24. „Hier entsteht“ diesmal eine Ruheinsel, ein Gemeinschaftsgarten, eine vertikale Galerie?

Auf jeden Fall wieder eine außergewöhnliche Ausstellung zeitgenössischer Kunst, mit musikalischem und szenischem Programm, Installationen, Licht- und Klangspiel. Das alles und natürlich wieder die akustischen Stadtführer „Potsdam im Gehörgang“ gibt es kostenlos.

Langsam kommt Leben in die Lücke. Quelle: Lilith Grull

Besuchen Sie doch das diesjährige Localize Festival und lassen sich von den Stadtfantasien 2014 verzaubern.

LOCALIZE FESTIVAL 2014:

  • Durch den geringeren Raum sind Schauplatz, Bar und Publikum gezwungen zusammenzurücken. Die Exponate müssen gerade zu nach oben ausweichen. „Girlande von Dreimeterturm“ überragt die Baulücke. Individuell schwebt die flexible Installation über dem für sie zu geringen Ort der Kultur. Die beengte Situation des Localize Festival 2014 spiegelt die Kunst- und Kulturszene Potsdam direkt wieder. Künstler wie der englische Foto- und Videokünstler Rob Carter, die örtliche Nana Kreft, die Berlinerin Anna Kubelik oder Nastasja Keller fragen nach der Historie, möglicher Zukunft, Grenzen und Möglichkeiten von Raum.
  • Wer mag kann sich mit seiner kreativen Idee bewerben. Von den oftmals auch internationalen Bewerbern dürfen dann Ausgewählte im Sommer ausstellen.
  • Für mehr Informationen: www.localize-potsdam.de

Erstmals erschienen am 14.09.2014 auf: http://www.maz-online.de/Lokales/Potsdam/Potsdam-Localize-2014-in-der-Gutenbergstrasse-24

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